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Petition an den Bayerischen Landtag vom 12.12.2001
 

Schulsozialarbeit als wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung!
 
 

Problem

Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Schule, ihre Struktur und ihre thematischen Inhalte (s. Strukturplan für das Bildungswesen des Deutschen Bildungsrats) Gegenstand von Reformanstrengungen. Der Mangel dieser Bemühungen, die Schule von Grund auf zu erneuern, bestand unter anderen darin, dass das Schulwesen verstanden wurde als ein gegenüber anderen gesellschaftlichen Bereichen geschlossenes System. Unzureichend nur wurde eine Öffnung gegenüber anderen öffentlichen Sozialisations- und Bildungsangeboten wie der Jugendhilfe sowie gegenüber den durch soziale Ungleichheit geprägten Lebensverhältnissen von Kindern und Jugendlichen in den Blick genommen.

Erst als die Krise der Schule gar nicht mehr übersehen werden konnte, wurden die Möglichkeiten einer wechselseitigen Akzeptanz zwischen der Schule und der Jugendhilfe deutlicher. Schließlich erhielt die Schulsozialarbeit in dem Kinder- und Jugendhilfegesetz von 1990 eine gesetzliche Verankerung: Schulbezogene Jugendarbeit (§11 KJHG = SGB VIII), Jugendsozialarbeit (§13 KJHG), Zusammenarbeit der Jugendhilfe mit Schulen und Stellen der Schulverwaltung. Trotz dieser Annäherungen bleibt es dabei, dass das Spannungsfeld zwischen den Grundzügen der Kinder- und Jugendhilfe (Freiwilligkeit, Verzicht auf eine aufgezwungene Leistungsorientierung, Altersheterogenität, Selbst- und Mitgestaltung der Hilfsformen, Selbstorganisation, Lebensweltorientierung, Prävention) und den Grundzügen einer traditionellen Schule unübersehbar ist. In dieses Spannungsverhältnis fällt die Schulsozialarbeit hinein.

Dem Forum Bildungspolitik in Bayern ist bewusst, dass Schulentwicklung heute auf eine Optimierung der Zusammenarbeit zwischen Schule, Jugendhilfe und anderen relevanten Institutionen und eine Verbesserung der Kommunikation bestehen muss. Dabei muss eine besondere Betonung auf die neuen Anforderungen und gültigen Schlüsselqualifikationen der Arbeitswelt und Gesellschaft gelegt werden. Schulsozialarbeit befindet sich hier an der Schnittstelle und soll diesen Prozess unterstützen.

Schulsozialarbeit wird auch in der KM-Mitteilung Nr. 6 aus dem Jahr 2000 als wichtig und bedeutsam erkannt mit den Worten: Sie „wendet sich präventiv, unterstützend, (...) und krisenintervenierend an alle Schüler und Lehrkräfte (...).“ Sie „betrachtet die Person von Kindern und Jugendlichen ganzheitlich, stellt Systeme in Frage, die krankmachend wirken und trägt zur Schulentwicklung bei.“ Das Prinzip der Schulsozialarbeit verfolgt also das Prinzip, Störungen in der emotionalen und sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen (sowie Störungen im System Schule) zu erkennen und nach Möglichkeit vorhandene Defizite auszugleichen. Sie will auch diesen zukünftigen Erwachsenen den Weg ebnen, damit diese sich zu mündigen und selbstverantwortlichen Bürger/innen unserer Gesellschaft entwickeln können. 

Die Realisierung solcher Ziele aber gestaltet sich aufgrund vieler finanzieller Widerstände als recht diffizil. Bedauerlicherweise kann sich das Finanzministerien immer noch nicht damit anfreunden, durch die haushaltstechnische Einstellung von gesicherten Mitteln für die Schulsozialarbeit den häufig gravierenden Problemen an allen Schultypen zu begegnen. Die zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallenden Schulen, die sich nicht ständig um neue Finanzierungsmodelle kümmern müssen, weil sie offiziell vom Freistaat unterstützt werden, ist beschämend und nimmt den mittlerweile zahlreichen und von allen Seiten ausgeführten verbalen Akklamationen  die Glaubwürdigkeit. 
 

Petitum

Nur eine definitive finanzielle Basis sichert eine Realisierung von Schulsozialarbeit, die ihrem spezifischen Auftrag gerecht werden kann, ohne ständig Kräfte abziehen und mobilisieren zu müssen, um die an Projekte gebundenen Finanzierungen verlängern zu können. Das Forum Bildungspolitik in Bayern fordert deshalb, dass ungeachtet jeder Trägerschaft schulische Sozialarbeit finanziell so abgesichert werden muss, dass die Schwerpunkte der Tätigkeit nicht von den geldgebenden Institutionen bestimmt und somit die Handlungsfreiräume nicht eingeengt werden können. An der Finanzierung muss sich verpflichtend neben den Beiträgen der Kommunen der Freistaat Bayern (Sozial- und Kultusministerium) beteiligen, um eine Kontinuität in der Schulsozialarbeit zu sichern. 
 

Begründung

Nur langfristige Konzepte ermöglichen eine konkrete und kontinuierliche pädagogische Arbeit im Sinne der Schaffung einer Vertrauensbasis für Schüler/innen mit spezifischen Problemlagen.

Nur langfristige Planungen zwischen den Gremien der Schule fördern die Entwicklung von manifesten, zuverlässigen Aufgabenzuordnungen und ermöglichen einen Veränderungsprozess, der sich im Sinne einer Organisationsentwicklung an Effektivität und Effizienz orientiert.

Nur kontinuierliche Prozesse führen nach einer gewissen Zeitspanne zur Fähigkeit, Problemsituationen im Sinne einer präventiven Arbeit im Vorfeld zu erkennen und zu verhindern, anstatt für Problemlösungen teurer zu bezahlen. 

Bloße Lippenbekenntnisse und Sympathiebezeugungen helfen weder den Institutionen und noch weniger den eigentlichen potentiellen Nutznießern dieser Bemühungen, unseren Schüler/innen und selbstverantwortlichen Bürger/innen der Zukunft. Heute mehren sich die Stimmen, die die Gründung einer „sozialpädagogischen Schule“ verlangen, in der Schüler/innen als Kinder und Heranwachsende angenommen werden, das Lernen nicht zu einem belehrenden Unterricht missrät. Schulsozialarbeit als wichtiges Glied einer solchen Schule ist auf Langfristigkeit und vor allen Dingen Nachhaltigkeit angelegt und verwelkt ohne konstantes finanzielles Fundament noch ehe die ersten wirklichen Erfolge fixiert werden können. Im Angesicht der Tatsache, dass immer mehr Kinder und Jugendliche immer weiter ins Hintertreffen geraten, dürfen wir dies nicht weiter zulassen. Dies belegen nicht zuletzt die jüngsten Ergebnisse der OECD-Studia PISA.
 

Forum Bildungspolitik in Bayern

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