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Landeskongress Schulsozialarbeit 15. Januar 2005,
Georg – Simon – Ohm – Fachhochschule Nürnberg


Kongressbericht


Forum Bildungspolitik kritisiert Sparmaßnahmen


Der Landeskongress Schulsozialarbeit des Forums Bildungspolitik in Bayern am 15. Januar in Nürnberg war von über 200 Experten/ und Interessierten aus ganz Bayern, zum Teil sogar aus benachbarten Bundesländern, besucht. Das Forum Bildungspolitik hatte bereits im vergangenen Jahr seine Vorstellungen zur Schulsozialarbeit in einer umfangreichen Petition dargelegt. Der Landeskongress „Weiterentwicklung der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule“ diente dazu, diese Vorstellungen mit den Experten aus der Praxis zu diskutieren. Zum anderen sollte der Kongress eine Vernetzung der verschiedenen Initiativen fördern.

An Schulen aller Art sollten Sozialarbeiter und Sozialpädagogen arbeiten können. Dazu braucht es eine solide Finanzierung. Nur so werden dauerhafte Strukturen und damit Verlässlichkeit für alle Beteiligten gewährleistet. Dass Schulsozialarbeit gelingen kann, zeigen genügend Beispiele aus der Praxis. Diese Einschätzungen teilten beim Landeskongress des Forums Bildungspolitik am 15. Januar in Nürnberg 160 Teilnehmer. Eine entsprechende Petition hat der Bayerische Landtag gleichwohl abgelehnt.

Im Jahr 2002 hatte die Bayerische Staatsregierung angekündigt, innerhalb von zehn Jahren 350 neue Stellen für Schulsozialpädagogen zu schaffen - bisher entstanden sind 80 Stellen. Im Zuge der allgemeinen Sparmaßnahmen und des Stellenabbaus soll das Programm nun gestoppt werden. 270 versprochene Stellen für Sozialpädagog/innen werden also nicht geschaffen.  Albin Dannhäuser, Sprecher des Forum Bildungspolitik, formulierte in Nürnberg scharfe Kritik an dieser Politik der Kürzungen.

Die Teilnehmer verabschiedeten daraufhin einstimmig eine Petition an den Bayerischen Landtag, in der die Abgeordneten aufgefordert wurden, das ursprüngliche Ziel ohne Abstriche weiter zu verfolgen. Im Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags ist die Petition zwischenzeitlich mit den Stimmen der CSU-Mehrheit abgelehnt worden. SPD und Bündnis 90/Die Grünen hatten die Forderung des Forums unterstützt, alle 350 Schulsozialarbeiter wie geplant binnen zehn Jahren einzustellen.

Die Schulsozialarbeit in Bayern habe sich insgesamt positiv entwickelt. Diese Auffassung vertrat Prof. Dr. Chris Brückner von der Fachhochschule München im Hauptreferat  des Kongresses. Vor allem Kommunen und freie Träger  hätten auf eigene Kosten Schulsozialarbeit an vielen Orten eingerichtet. Die Landeshauptstadt München beispielsweise gewährleiste Schulsozialarbeit an 54 Schulen.

Damit Schulsozialarbeit funktionieren kann, müsse nicht nur ausreichend Geld bereitgestellt werden. Brückner betonte, dass vor allem Lehrer und Sozialarbeiter bereit sein müssten, zusammenzuarbeiten. Das könne nur gelingen, wenn auch die Schulleitungen hinter ihnen stehen. Die Zusammenarbeit beginne beim Austausch von Informationen und müsse in eine als selbstverständlich empfundene tägliche Kooperation münden. Dieser Weg sei angesichts unterschiedlicher Perspektiven nicht einfach. Lehrerinnen und Lehrer orientierten sich bei ihrer Arbeit in der Regel an Lehrplänen, Fächern und anderen Strukturmerkmalen der Schule. Schulsozialarbeiter verfügten dagegen über einen ganzheitlicheren Blick.


So funktioniert Schulsozialarbeit

Prof. Dr. Chris Brückner hat die Erfahrungen der Landeshauptstadt München mit Schulsozialarbeit in den vergangenen zehn Jahren untersucht. Sie nannte acht Bedingungen für funktionierende Schulsozialarbeit:
  1.  Schulsozialarbeit ist in der Schule oder in unmittelbarer räumlicher Nähe angesiedelt.

  2. Es finden gemeinsame Fachkonferenzen von Lehrer/innen und Schulsozialarbeitern statt. Hier werden auch gemeinsame Fallstudien betrieben.

  3. Die Schulsozialarbeit ist am Prozess der Schulentwicklung beteiligt.

  4. Die Schulsozialarbeit ist in sonstige schulische Aktivitäten – etwa zur Gewaltprävention oder in Streitschlichtungsprogramme – eingebunden.

  5. Lehrerkollegium und Schulsozialarbeiter/innen treffen Absprachen, etwa zur Elternarbeit. Die gemeinsame individuelle Beratung von Schülern wird zur Selbstverständlichkeit.

  6. Lehrer/innen und Schulsozialarbeiter nehmen gemeinsam Fort- und Weiterbildung in Anspruch.

  7. Die Schule intensiviert ihre Öffentlichkeitsarbeit im Stadtteil.

  8. Lehrer- und Schulsozialarbeit kooperieren im Interesse der Schüler/innen. Beispielsweise wird dem Jugendlichen Hilfe bei der Lehrstellensuche angeboten.

Nähere Informationen zum Kongress, zur verabschiedeten Petition, sowie zu den Mitgliedsorganisationen des Forums Bildungspolitik finden Sie unter: www.forum-bildungspolitik.de.

Florian Fischer
Forum Bildungspolitik in Bayern

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