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Diskussionsrunde des Forum Bildungspolitik vom 3. Dezember 2015 in München

 

  Foto Buehne

München - 3. Dezember 2015

Mit der steigenden Zahl an Flüchtlingen wird auch die Bildungspolitik vor neue Herausforderungen gestellt. Wie soll eine menschenwürdige und integrative Aus- und Weiterbildung von Flüchtlingen aussehen? Wie können Sprachbarrieren erfolgreich überwunden werden? Wie kann verantwortungsbewusst mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen umgegangen werden?

Diese und weitere Fragen diskutierten am Donnerstag, den 3. Dezember auf Einladung des Forum Bildungspolitik in Bayern die Experten Dominik Bauer, Berater Migration, Fachberater für Deutsch als Zweitsprache und Berater für interkulturelles Lernen am staatl. Schulamt der Landeshauptstadt München, Maria Prem, Netzkoordinatorin FiBA - Flüchtlinge in Beruf und Ausbildung und Lourdes Ros, Stv. Geschäftsführender Vorstand der IG InitiativGruppe - Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V.

Dominik Bauer (Berater für interkulturelles Lernen u.a. am staatl. Schulamt München), Maria Prem (Netzkoordinatorin FiBA - Flüchtlinge in Beruf und Ausbildung). Lourdes Ros, (Stv. Geschäftsführender Vorstand der InitiativGruppe - Interkulturelle Begegnung und Bildung) und Wibke Stock (stellv. Vorstand des Forum Bildungspolitik).

 

Das Forum Bildungspolitik hat das Thema Flüchtlinge bereits bei seiner Klausursitzung im März 2015 als Schwerpunktthema des Jahres 2015 gewählt. Lange vor dem deutlichen Anstieg der Flüchtlingszahlen in Bayern und Deutschland. Seitdem hat das Forum das Thema intensiv diskutiert und sich mehrfach mit konkreten Forderungen an die Politik gewandt. Die Veranstaltung ist ein weiterer Beitrag zum Thema.

"Wir brauchen eine rasche Integration - und wir müssen darauf achten, dass die Stimmung in der Bevölkerung nicht kippt" betonte Lourdes Ros in ihrem Eingangsstatement. Es gibt, erklärte Ros, eine Reihe von Deutschkursen, die von Bund, Land und Kommunen angeboten werden, jedoch nicht aufeinander aufbauen und keinen systematischen Spracherwerb ermöglichen. Dieser wäre jedoch dringend nötig, um Flüchtlingen die aktive Lebensgestaltung in Deutschland zu ermöglichen, unabhängig von der Dauer des Aufenthalts. Als Vertreterin der IG InitiativGruppe - Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V. kennt Lourdes Ros die enormen psychischen Belastungen vieler Geflüchteten. Sie warnt vor einer "Chronifizierung", wenn nicht schnell mit Sprachunterricht und Integrationsmaßnahmen entgegen gewirkt würde. "Wirklich vorbereitet seien die Schule dafür nicht", so Lourdes Ros.

"Riesige Herausforderungen" in den Schulen sieht Dominik Bauer, Berater Migration, Fachberater für Deutsch als Zweitsprache und Berater für interkulturelles Lernen am staatl. Schulamt der Landeshauptstadt München. In den über 500 Übergangsklassen in Bayern gehöre dazu u.a. die "äußerst heterogene Schülerschaft", zu der Analphabeten ebenso wie Jugendliche mit Gymnasialausbildung zählen. Vieles sei hier zu leisten, die professionelle Betreuung traumatisierter junger Menschen genauso wie die Vermittlung von Normen und Werten. Hohen Bedarf sieht Bauer in der Weiterbildung der Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache (DaZ): "eine Ausbildungswelle ist unerlässlich!"

Maria Prem, Netzkoordinatorin FiBA - Flüchtlinge in Beruf und Ausbildung betont "eine lückenlose Förderung junger Flüchtlinge" als Zielvorgabe. Durch individuelle Beratungs-, Bildungs- und Qualifizierungsangebote führt das Netzwerk FiBA Flüchtlinge an den Arbeitsmarkt heran, indem sie darin unterstützt werden, einen dualen Ausbildungsplatz oder eine qualifizierte Beschäftigung aufzunehmen. Prem betont die Notwendigkeit einer ausdifferenzierten Sprachförderung und intensiver sozialpädagogischer Begleitung, gerade in der Übergangsphase zwischen Schule und Beruf. Hier gelte es, die Türen im System offen zu halten, nicht zuletzt für Schüler, die bereits eine gute Ausbildung mitbrächten. Und ebenso wie in allen anderen Bereichen gehe es auch hier nicht ohne die ehrenamtliche Unterstützung vieler Helfer. Sie könnten professionellen Sprachunterricht nicht ersetzen, aber vieles auffangen. Alle seien gefragt, etwas zu tun "gegen Langeweile und Perspektivlosigkeit in den Unterkünften."

Crashkurse für Ehrenamtliche, Sprachkurs-Apps, Alphabetisierungsmaßnahmen für Erwachsene und immer wieder ein "wohlwollendes Umfeld" sind nur einige der zahlreichen weiteren Forderungen und Stichworte aus der Diskussion im Laufe der Informationsveranstaltung des Forum Bildungspolitik in Bayern am 3. Dezember. Franziska Bleß und Wibke Stock als stellvertretender Vorstand des Forum Bildungspolitik sehen vor diesem Hintergrund einen großen weiteren Handlungsbedarf für alle am Bildungsgeschehen Beteiligten. Sie kündigten an, dass das Forum Bildungspolitik weiter dran bleibe am Thema.

Dr. Eva Graef-Harter

 

hilfreiche Links:
Einladungsflyer zur Veranstaltung

Ich will Deutsch lernen - Angebot des Deutschen Volkshochschul-Verbands
Themenseite des BLLV mit weiteren Links und zahlreichen konkreten Tipps
Caritas: Sie wollen sich ehrenamtlich engagieren?

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