Logo-Kreis Modellprojekt für begabte Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen
 
Hospitation des Forum Bildungspolitik an der Profilschule Ingolstadt

 

  Foto  Ingolstadt Profilschule

Ingolstadt 17. Movember 2015

"Die Profilschule Ingolstadt ist ein bundesweit einmaliges Modellprojekt für begabte Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen. Ziel ist es, begabten, lernwilligen und engagementbereiten Kindern und Jugendlichen mit schwierigen Startbedingungen den Weg zum Abitur zu ermöglichen." So beschreibt sich die Profilschule Ingolstadt selbst.

Die Förderung setzt bereits in der Grundschule an. Am Ende sollen möglichst alle unterstützten Schüler/innen die gymnasiale Oberstufe abschließen. Doch soweit ist das Gemeinschaftsprojekt der Stadt Ingolstadt, des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, der AUDI AG und der Roland Berger Stiftung noch nicht gediehen. Zurzeit existieren eine 3. und eine 4. Grundschulklasse sowie eine 5. und 6. Gymnasialklasse. Insgesamt besuchen rund 60 Schüler/innen die Profilschule im Schuljahr 2015/16.

Sie alle sind Stipendiat/innen des Deutschen Schülerstipendiums der Roland Berger Stiftung. Dieses wird für engagierte Schüler/innen mit schwierigen Startbedingungen ausgeschrieben. Die Zugangskriterien "engagiert" und "schwierige Startbedingungen" sind dabei nicht fest definiert. Es wird im Einzelfall entschieden, wer geeignet und förderwürdig ist. Bundesweit gibt es derzeit über 700 Stipendiat/innen.

In der Profilschule, die eine staatliche Schule ist, besteht nun erstmals die Möglichkeit, geförderte Schüler/innen in eigenen Klassen mit max. 18 Schüler/innen gemeinsam zu unterrichten. Jeder Klasse steht zusätzlich eine Sozialpädagogin zur Seite. Zurzeit nutzt die Schule noch die Räume des Christoph-Scheiner-Gymnasiums und der Grundschule Auf der Schanz. Ein eigenes Gebäude ist jedoch geplant.

Bildungsbausteine und individuelle Förderung

Wie andere Schüler/innen durchlaufen die Stipendiaten/innen in der Profilschule den Unterricht in den vorgeschriebenen Fächern nach aktuellem Lehrplan. Jede Schülerin und jeder Schüler hat dabei einen individuellen Förderplan. Der Unterricht ist ganztägig rhythmisiert, am Nachmittag finden neben Unterrichtsstunden auch Förderstunden in Kleingruppen statt. Außerdem bekommen sie kostenlos zahlreiche zusätzliche Angebote an den Wochenenden und in den Ferien. Die Stiftung spricht von "Bildungsbausteinen". Dazu zählen beispielsweise Seminare und Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung, zum Ausbau kultureller, sprachlicher oder politischer Kompetenzen und zum Umgang mit Medien. Mit Mentoren unterstützt die Stiftung das Vorankommen der Stipendiat/innen zusätzlich.

Wie angenehm die Arbeitsatmosphäre in einer Kleingruppe sein kann, davon durften sich die Teilnehmer/innen des Forum Bildungspolitik<7i> bei Hospitationen selbst überzeugen. In einem Raum arbeiten nur 6 Schüler/innen ruhig und konzentriert an ihren Englischaufgaben, die sie selbst aus einem nach Schwierigkeiten differenzierten Angebot auswählen. Kontrollieren darf im Lösungsordner jeder Schüler und jede Schülerin selbst, ob er oder sie das Thema verstanden und die Übungen richtig erledigt hat. Parallel dazu findet eine Matheübung statt - ebenfalls nur mit 8 Schüler/innen.

Die Schule ist eine gebundene Ganztagsschule. Sie endet um 16:00 Uhr, teilweise sogar erst um 17:00 Uhr. Um den Schüler/innen den langen Schultag etwas zu erleichtern, wechseln sich Unterrichts- und Bewegungsphasen ab. Beim Programm "Fit für Körper und Geist" entspannen die Kinder und Jugendlichen bei Traumreisen und progressiver Muskelrelaxation. Trotzdem fordert die Teilnahme am Stipendienprogramm den Schüler/innen viel ab. Eine Schülerin formuliert es gegenüber den Gästen des Forum Bildungspolitik<7i> so: "Manche sagen, euch geht es gut, ihr kriegt ja alles bezahlt. Aber sie sehen vieles nicht: Wir geben auch viel dafür her, um hier zu sein. Eigentlich unsere ganze Freizeit." Denn zum Ganztag kommen ja die "Bildungsbausteine" am Wochenende und auch in den Ferien.

Die Teilnehmer des Forum Bildungspolitik<7i> nehmen unterschiedliche Eindrücke mit. Einerseits waren sie beeindruckt, was die Stiftung mit privaten Mitteln auf die Beine gestellt hat, um Kindern aus sozial benachteiligten Familien eine erfolgreiche Schullaufbahn zu ermöglichen. Andererseits herrscht die Meinung vor, dass individuelle Förderung eigentlich Pflicht des Staates sei. Offen ist, wie ein derart stark subventioniertes Projekt auf andere Schulen übertragen werden kann. Ob die Zielgruppe besser in Regelklassen oder in separaten Klassen gefördert werden kann, bleibt abzuwarten. Die Ingolstädter Profilschule ist ja erst im Aufbau.

Vanessa Hübsch

 

Link:
Homepage Profilschule Ingolstadt

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