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Erscheinungsformen, Ausprägungen, Strategien  

Eine Veranstaltung des Forum Bildungspolitik in Bayern

in Kooperation mit dem Bayerischen Bündnis für Toleranz

am 22. November 2010, InitiativGruppe, München

 
Programm der Veranstaltung
  Foto Jauernig

Oliver Jauernig, Bayerisches Bündnis für Toleranz, referiert über aktuelle Erscheinungsformen des Rechtsextremismus.

 

Stefan der Aussteiger erzählt

Ein Bericht von Leo Brux

Blood & Honour (Infos auf Wikipedia) ist eine europaweit operierende gewalttätige rechtsextremistische Bande, ein Skinhead-Netzwerk, das in Deutschland verboten ist. Geschäfte mit Waffen, Drogen und Prostitution gehören mit zur Finanzierung.

Stefan war viele Jahre lang dabei, mit Haut und Haar, hat ein paar Jahre im Knast verbracht für seine Gewalttätigkeit — hat vor Gericht ausgepackt, ist ausgestiegen, hat sich für ein normalvernünftiges Leben entschieden, lebt jetzt unter Schutz und im Verborgenen, um der Rache seiner früheren Freunde zu entgehen.

Auch vor uns redet sich Stefan sein Schicksal von der Seele. Man merkt ihm an, wie sehr er seelisch gelitten hat – durch was für ein persönliches Drama er gegangen ist. Er erzählt gut – ehrlich, sich selbst nicht schonend, mit psychologischem Blick.

Er beschreibt, wie Blood & Honour für ihn zur Droge geworden ist, wie er keine Chance hatte, von ihr loszukommen. Wie erst die Haft ihm diese Chance gegeben hat, unterstützt und betreut von der Bayerischen Informationszentrale gegen Extremismus (BIGE). Die hat ihm auch geholfen, dass er wieder Arbeit gefunden hat.

Stefan erzählt:

Gut geht es dem Führungspersonal von Blood & Honour. Man hat reichlich Geld für einigen Luxus, man hat seine Hiwis, die alles für einen erledigen. Auch er habe das sehr genossen.

Aber man hat so gut wie keine Chance auf Sozialkontakte mehr nach außen, zu Leuten, die nicht dazugehören. Alle distanzieren sich von dir, zu allen da draußen hast du Distanz.

Rechtsextremistische Gruppen bilden eine abgekoppelte, extrem dichte Gemeinschaft, eine totalitäre Familie.

Diese neue „Familie“ ersetzt die alte – in der man nicht genug Liebe, Geborgenheit, Wärme, Orientierung, Rückhalt bekommen hat. – Immer wieder kommt S. darauf zurück: auf die Lieblosigkeit der Familien, die die jungen Leute verzweifelt nach einer Ersatzfamilie suchen lässt.

Daran knüpfen die Werber für die rechtsextremen Gruppen an. Denn da haben sie etwas zu bieten, was die Normalwelt nicht bietet.

Die ideologischen Inhalte selber sind eigentlich zweitrangig. Es ist nicht das ideologische Programm, das motiviert. Es gehört aber natürlich zur Abgrenzung, zur Provokation, zur Identität dazu.

Das alles gilt auch für die Linksautonomen, die schwarz-uniformierten Antifaschisten. Da sind die Unterschiede nicht groß.

Überhaupt nähern sich die beiden Extreme auch äußerlich einander an. Auf den ersten Blick kann man sie manchmal schon gar nicht mehr unterscheiden. Ein Rechtsextremer kann mit Palästinenserschal und Ché Guevara T-Shirt auftreten.

Gibt es da auch Unterschiede? habe ich gefragt.

Gibt es eine Brücke von den Rechtsextremisten zu den Rechtspopulisten? habe ich gefragt.

Nein. Die Rechspopulisten strengen sich an, nicht mit den Rechtsextremisten in eine Schublade gesteckt werden zu können. Die Rechstextremisten verachten diese spießigen, ängstlichen Typen von der NPD oder von noch weiter mitte-orientierten Rechten.

Wie waren seine Erfahrungen in der JVA?

Übel. Man wird dort als Abschaum behandelt, und dadurch wird man auch Abschaum. Man geht da als trotz krimineller Tat noch einigermaßen normaler Mensch rein, und kommt meistens ganz verwahrlost und skrupellos wieder heraus. Das ist es, was man da lernt. Resozialisierung findet so gut wie nicht statt. Drogen, Gewalt, extremistische Propaganda – das alles kriegst du so viel du willst. Das ganze Gefängnissystem taugt nichts. Das Personal ist seiner Aufgabe nicht gewachsen, das ganze Konzept falsch.

Rechtsextremismus heute

war der Titel der Veranstaltung. Das Ziel: Aufklärung und Sensibilisierung, damit wir rechtzeitig merken, wenn junge Menschen den braunen Rattenfängern in die Hände zu fallen drohen.

Ein Mitarbeiter der Projektstelle gegen Rechtsextremismus und des Bayerischen Bündnisses für Toleranz hat über den aktuellen Stand der rechtsextremen Symbolik und der Werbemittel informiert.

Eine Mitarbeiterin der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) hat das Ausstiegsprogramm vorgestellt. Seit 2001 haben sich 180 Rechtsextreme beworben, 70 wurden als nicht geeignet ausgesondert, 8 haben abgebrochen, in 80 Fällen war das Hilfe-zur-Selbsthilfe-Programm erfolgreich; zurzeit betreut man 12 Fälle.

 

Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) Die Hompage bietet zahlreiche Informationen:

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